So lange war hier Ruhe. Warum? Ich weiß auch nicht, aber so ist das mit mir manchmal. Da fang ich was an und dann lässt die Begeisterung nach.... Aber da bin ich ja wieder und möchte eine traurige Sache zum Anstoß nehmen, wieder einen Eintrag zu verfassen.
Ich wurde 1990 eingeschult und war 13 Jahre lang an der gleichen Schule. Ich habe dort die Grundschule, die Sekundär Stufe I und die Abiturstufe besucht und bin im Jahr 2003 mit dem Abi in der Tasche aufgebrochen in einen neuen Lebensabschnitt.
Als ich in die fünfte Klasse gekommen bin, haben wir unsere Klassenlehrer gewechselt. Wir die "A" Klasse bekamen eine neue..., eine total junge... und im Nachhinein die wohl beste!!! ever!!!. Wir bekamen Frau Heintz (Heintz mit Tz). Unsere erste Klassenfahrt ging nach Prepelow (ungefähr 1 km Luftlinie von meinem Zuhause entfernt, aber in unserem Alter schon eine kleine Reise). In Prebelow hat Frau Heintz wohl das erste Mal graue Haare bekommen, denn die Jungs (ja die Jungs und nicht die Mädchen) hatten sich verstritten und bildeten 2 Lager. Diese beiden Gruppen wieder zusammen zuführen, war für Außenstehende sicherlich nur schwer vorzustellen. Für Frau Heintz kein Problem... Wir mussten uns alle auf dem großen Platz sammeln und dann wurde so lange diskutiert, bis das Problem und die Feindseligkeiten gelöst waren. Wie gesagt, wir waren gerade 11- 12 Jahre alt und naja diskutieren war für viele von uns ein wohl neues Erlebnis.
Im nächsten Jahr ging es erst während einer Projektfahrt zu einem befreundeten Ruderclub nach Flecken. Dort wurde mein "Talent" entdeckt. Ich durfte obwohl ich noch nie gerudert bin nach 3 Tagen des Ausprobierens in einen Vierer einsteigen, um für die Landesmeisterschaft zu trainieren. Nach dem Ruderlager ging es direkt nach Kunsterspring in den Tierpark, wo auch Frau Heintz den Schülern es nicht so streng nachsah, wenn wir mal keine Lust hatten die Natur zu erkunden (es war teilweise echt langweilig). In dieser Woche hatte ich Glück, weil ich einen Tag weg durfte um zur LM zu fahren und was soll ich sagen... Wir gewannen natürlich.... Seit dem, war ich aktives und auch recht erfolgreiches Mitglied im Ruderclub und naja wer war meine Trainerin? Natürlich Frau Heintz. Die Klassenfahrt in der 7. Klasse führte uns in den Westen in die Lüneburger Heide. Hier war das Problem für Frau Heintz keine gelangweilten Schüler sondern eher das MC Donalds Restaurant vor der Herbergstür oder bestimmte Idioten welche glaubten "Deutsch" zu sein... . In der achten Klasse gab es keine Klassenfahrt, weil unsere Vorgänger sich in Tschechien nicht benehmen konnten.... In der neunten Klasse ging es auf die schöne Insel Rügen, genauer auf die Halbinsel Umanz. Naja ein optimaler Ort war es zwar nicht gerade, aber auf jeden Fall war die Klassenfahrt eine, die ich und sicherlich auch Frau Heintz nie vergessen werde. Wir, in vollster Pubertät, hatten natürlich andere Sachen zu tun als zu Wandern und was man sonst noch auf Klassenfahrten so macht. Nein wir mussten natürlich unsere Männlichkeit beweisen. Da gab es z.B. Marcus und Frank (unsere Ältesten), welche nichts besseres zu tun hatten als im nächsten Ort zwei Rucksäcke Alk zu kaufen und die Hälfte auf dem Rückweg auszutrinken. Die andere Hälfte wurde vor unser aller Augen (welche ja auch bei den Jungs "bestellt" hatten) weggeschüttet. Eine Bier- und Wodkaflasche nach der Anderen.
In der zehnten Klasse gab es keine Klassenfahrt und im Abitur bekamen wir neue Tutoren. Aber nicht nur auf den Klassenfahrten bewies Frau Heintz ihr Gespür den richtigen Umgang mit Schülern zu suchen und zu finden sondern auch im alltäglichen schulischen Leben. Frau Heintz war über viele Jahre Vertrauenslehrerin und erfüllte diesen Job außergewöhnlich gut. Sie war bei Eltern zu Hause und hat sich stets um die Probleme der Schüler gekümmert. Sie ist auch von sich aus auf Schüler zugegangen, wenn sie Probleme erkannt hat und Handlungsbedarf sah. Ich persönlich hatte über die ganzen Jahre hinweg ein besonders gutes Verhältnis zu ihr. Einmal durch den Sport, zweitens war ich die ganzen Jahre Klassensprecher und drittens glaube ich hatten wir starke Überschneidungen in unseren Vorstellungen von Solidarität und das Verhältnis von Menschen untereinander.
Als wir unseren Abiturball hatten, haben wir uns auf das "Du" geeinigt und tranken einmal die Cocktailkarte hoch und runter. Einer der besten Abende meines Lebens... (leider war meine Mutter krank an diesem Tag und konnte so nicht dabei sein). Nach dem Abitur hielten wir guten Kontakt. Ich schrieb ihr wenn ich irgendwo im Urlaub war und sie mir bzw. Caro und mir.
2005 wurde bei ihr Krebs diagnostiziert und es war für mich ein schwerer Schlag. Nicht vorzustellen was das für die Familie bedeutet hat. Aber es war typisch Britta, dass sie den Lebensmut nicht verlor und kämpfte. Am Anfang sah auch alles recht gut aus, aber im Endeffekt eben nicht... Das letzte persönliche Gespräch führte ich Weihnachten 2007 mit ihr, wo wir uns lange und schön unterhielten. Danach telefonierten wir noch einmal. Jetzt ist sie vor Ostern gestorben.... Es ging zum Schluss recht schnell, denn die Krankheit hat am Ende gesiegt....
Ich hab es letzten Donnerstag erfahren und war dementsprechend schlecht gelaunt über die Feiertage. Vorgestern war die Trauerfeier. Es war meine erste und es war schrecklich. In diesem Moment wurde mir schmerzlich bewusst, dass ein Mensch der mich und meine Entwicklung stark geprägt hat von dieser Welt gegangen ist und nie mehr wieder kommt.
Bei der Trauerfeier wurde folgendes Lied gespielt.
Es ist ein wunderschönes Lied.
Nun sitz ich hier, hab ein bisschen was erzählt und bin wieder nah am weinen.
Aber "Jeder Abschied ist die Geburt einer Erinnerung" (unbekannter Autor).
Somit möchte ich Britta in stets guter und liebevoller Erinnerung behalten und hoffe, dass sie, wo immer sie auch ist, ihren Frieden gefunden hat.
Beste Grüße Robert
